Judenburg

Ort
Bühne Judenburg
Hauptplatz, 8750 Judenburg

Zeit
14:30 Uhr Beginn
 

zum Kalender hinzufügen (ics)

Judentum in Judenburg Vortrag & Stadtrundgang

Die Erforschung der Geschichte der Juden in der Region Aichfeld-Murboden, insbesondere in Judenburg, ist Michael Georg Schiestl ein besonderes Anliegen. „Mein Leib- und Magenthema“, nennt es der promovierte Politikwissenschafter und Historiker, Direktor des Stadtmuseums Judenburg.
In seinem jüngsten Buch schreibt Dr. Michael Schiestl über die ersten Spuren jüdischen Lebens in Judenburg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – in Zusammenhang mit einem Schreiben, welches der damalige Stadtpfarrer Dechant Franz Höller in einem Behälter in der Jesuitenkirche hinterlegt. Allerdings, so Schiestl, gibt es frühere Spuren. Neben Graz gehören Judenburg, Knittelfeld und Leoben zu den wenigen Orten, in denen sich eigenständiges jüdisches Leben entfalten konnte. Zucker, Gottlieb, Weiner, Hacker, Posamentier heißen die Händler, vielfach Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt. Später kommt es zu Plünderung, Schändung, Raub von materieller Habe und Würde.
Ihr könnt Euch meine Sehnsucht gar nicht vorstellen. Kannst du mir gar nicht helfen? Gibt es keinen Weg zur Wiedervereinigung? Ist nur bei mir alles verwünscht?“ Wien, 29. November 1939. Nur ein Satz von vielen, herausgerissen aus einem Brief. Aus einem von 34 Briefen. Sie gingen keinen normalen Postweg. Und wahrscheinlich können wir Spätgeborene nicht einmal den Hauch des quälenden Elends empfinden, welches die Absenderin erdulden muss. Else Posamentier, ermordet im Konzentrationslager Treblinka. Mit ihrer sechsjährigen Tochter Lieselotte. Freilich ein Schicksal von vielen. Aber eines, das den Historiker Emotion zeigen statt Distanz wahren lässt: „Ich kann nicht objektiv über das Schicksal dieser Menschen schreiben, ich war so befangen.“ Diese Abgründe. Michael Georg Schiestl, Direktor des Stadtmuseums Judenburg. Schon lange sind die Juden in der Region Aichfeld-Murboden „mein Leib- und Magenthema“.
Weil es dazu kaum Brauchbares gibt, man noch immer so tut, als wäre nichts passiert. Juden? Ach, die sind ausgereist, sagen sie. „Als wäre das so eine lustige Reisegesellschaft gewesen ...“ Else Posamentiers Reise führt in eines der Elendsquartiere, wo die Nazis die Juden dahinvegetieren ließen. Sie schreibt regelmäßig an ihren nach Palästina geflüchteten Sohn Adolf und an ihren Ehemann Max. Dokumentation eines verzweifelten Überlebenskampfes, dem immer mehr die Kraft ausgeht.
 

Alle Veranstaltungen anzeigen

 

800 Jahre
Diözese Graz-Seckau
Dez 2017 - Sep 2018