Umbruch Geist & Erneuerung

Datum
2.5. – 28.10.2018

Ort
Abtei Seckau

Führungen
(nur im Rahmen einer Führung zugänglich)
Öffentliche Führungen: täglich 11 und 14 Uhr
Im Juli und August um 11, 14 und 15:30 Uhr
Kontakt für Führungsanmeldung (für Gruppen): Abteiverwaltung Seckau, Te. +43 3514 5234-0, verwaltung@abtei-seckau.at

Bild: Norbert Trummer, Kreuzgang (mit Säulendetail) aus: Seckau, 2017/18

Der „Dom im Gebirge“ ist der Ursprung der Diözese (Graz-)Seckau. Von 1218 bis 1786 war er Kathedrale. Zum 800-Jahr-Jubiläum eben neu renoviert, strahlt diese romanische Basilika eine Jahrhunderte alte Spiritualität und eine überzeitliche Atmosphäre aus. Mit subtilen Interventionen aus der Gegenwartskunst im Kreuzgang, im Kapitelsaal und im Mausoleum Erzherzog Karls II. werden Vergangenes und Bleibendes ganz neu sichtbar gemacht. Die bestehende Ausstellung schließlich wird mit neuen Blickwinkeln erweitert, die auf die wichtige Rolle von Klöstern in der Geschichte der Diözese eingeht und deren Wurzeln bis zu den Dokumenten der Gegenreformation im Blick hat. Umbruch, Geist und Erneuerung sind diesem Ursprungsort der Diözese förmlich eingeschrieben.

teilnehmende KünstlerInnen:
Hartwig Bischof, Madeleine Dietz, Norbert Trummer, Ruth Schnell 

Kuratiert von Elke El Sayed, Johannes Rauchenberger und Alois Kölbl in Zusammenarbeit mit Elke Schmid und Harald Berger (Benediktinerabtei Seckau)

DETAILS ZUR AUSSTELLUNG

BELEBTE STEINE
Norbert Trummer war im Sommer 2017 drei Mal in Seckau zu Gast und zeichnete vor Ort seine kleinen Bilder. Der Künstler erhielt Einblick in den Alltag der Klostergemeinschaft der Benediktiner-Mönche, aber auch in das damals eingerüstete Deckengewölbe der Basilika und des Mausoleums Erzherzog Karls II. Die Zeichnungen widmen sich musterhaften und dekorativen Details, die vom Streben nach Formvollendung innerhalb der Klostermauern sprechen.
Trummers Zeichnungen fungieren als eine Art Storyboard für einen Animationsfilm. Dieser basiert auf einer Serie von Malereien, in denen Trummer die Motive der Buntstiftzeichnungen bis zu sechsmal wiederholte. In den Wiederholungen ergeben sich kleine, detaillierte Unterschiede, die dann in der weiteren Ausführung als Animationsfilm eine charakteristisch pulsierende – atmende – Bewegung erzeugen. Teil dieses wortwörtlichen Animierens sind während des Malprozesses entstandene Vorstufen der fertigen Bilder, die den Film zusätzlich beleben.

DAS FLACKERN DER GESCHICHTE
Die Basilika in Seckau birgt auch das prächtige Mausoleum von Erzherzog Karl II., der in der Steiermark die Gegenreformation eingeleitet hat. Seinen streng katholisch erzogenen Sohn, den späteren Kaiser Ferdinand II., wird Bischof Martin Brenner (1585–1615) mit den „Reformationskommissionen“ als „Ketzerhammer“ unterstützen. Das Dunkle dieser Zeit erinnert die Medienkünstlerin Ruth Schnell mit hellen Worten, die vor Ort buchstäblich erscheinen, ohne dass man nachvollziehen kann, woher die Worte der Erinnerung plötzlich kommen. Ein computercodiertes Band aus Leuchtdioden lässt immaterielle Worte aus Licht scheinbar durch den Raum schwirren, die die Konfessionsgeschichte als Macht- und Unterdrückungsgeschichte beleuchten und die Mausoleen in Graz und Seckau als herrschaftliche Machtsymbole zusammenbindet.

ERDE UND LICHT
Der Kapitelsaal war anfangs die Ursprungskapelle: Hier soll der Stifter Adalram von Waldeck das „Hic seca“ („Hier fälle“) vernommen haben. Unter der Bodenfläche finden sich viele Gräber aus der Frühzeit des Klosters. Die deutsche Künstlerin Madeleine Dietz reagiert auf diesen besonderen Raum mit ihrer neuen Arbeit „Ent-Festung“: Sie nimmt damit die Fluchtbewegungen der Gegenwart in die elementaren Materialien von Stahl und Erde auf. Stahlplatten lehnen prekär im historischen Raum. Sind es Behausungen? Sind es  Erinnerungen elementarer Kultstätten oder einfach nur Relkite? Von einem Lichtrahmen gesäumte Kuben aus Erde erinnern an ein leuchtendes Grab. Dessen Deckel aber scheint verschoben: eine Ahnung von Auferstehung in diesem historischen Raum, die die Geschichte(n) überdauert.

ZURÜCK ZUM URSPRUNG
Mit der Aufhebung des Chorherrenstiftes durch Kaiser Joseph II. 1782 hatte das Stift Seckau alle seine Klosterschätze verloren. Die kostbaren Buchmalereien etwa sind heute in der Universitätsbibliothek Graz verwahrt. Zum Diözesanjubiläum wandern einige der kostbarsten Buchmalereien in diese Ausstellung – schließlich barg Seckau ab der Mitte des 12. Jahrhunderts eine bedeutende Schreibschule der Chorherren und Chorfrauen. Die „Seckauer Mariensequenz“ etwa ist in dieser Schreibschule entstanden. 

RHYTHMOS DER WIRKLICHKEIT
Ein ganz anderes "Schreiben" stellt Hartwig Bischof vor: er vervielfältigt Blder aus Seckau, webt sie in das Bild ein, und man weiß nicht, wo sich das Vorgängermotiv gerade spiegelt. Eine seltsame Reise in die Unendlichkeit. Jedes Bild im künstlerischen Bereich, so der Künstler, kann nur als Bild im Plural gesehen werden. Die angewandte Methode der Montage fügt ein Bild an ein Bild an ein Bild und so weiter. Dabei werden einzelne Zeitpunktorte zu einem immer größeren Bild, einem Über-Bild, letztlich zu einem Muster-Bild zusammengefügt. So wird aus Seckau, seinem Hof, seiner Kirche, seinen Türmen, ein einziger Teppich. Eine elastisch-wirbelnde Formierung liefert die Grundlage unserer Wahrnehmung. "Der Rhythmos stellt die Wirklichkeit für uns sicher, als Strudel dynamischer Gestaltungen, die bei jedem Blick weitervibrieren, den wir einem Kunstwerk oder einem Mitmenschen schenken" (H. Bischof).

 

 

800 Jahre
Diözese Graz-Seckau
Dez 2017 - Sep 2018